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Pressemitteilung
Nr. 12/10
5. Oktober 2010
Deutschland leidet nicht unter Zuwanderung, sondern unter jahrzehntelanger Ignoranz dieser Realität
Psychologen treten für ein Umdenken in der Gesellschaft ein
Deutschland ist ein Zuwanderungsland - dies hat unsere Regierung erst 2005 offiziell festgestellt, mindestens 30 Jahre zu spät. Mit den Folgen haben die Menschen in diesem Land noch heute zu kämpfen und zwar nicht mit denen der Zuwanderung, sondern mit den Folgen, die sich aus der jahrzehntelangen Ignoranz dieser Realität ergeben. Diese Einschätzung trifft die Präsidiumsbeauftragte für Menschenrechte des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), Eva van Keuk, in einer Stellungsnahme zur aktuellen Integrationsdebatte. Der BDP hat sich mehrfach für die Anerkennung der Zuwanderungsrealität und für strukturelle Veränderungen ausgesprochen. Zuletzt setzte er sich in einer Petition an den Bundestag für kultursensible, muttersprachliche psychotherapeutische Versorgung von Menschen mit Zuwanderungshintergrund ein. Integration bedeute eben nicht, "dass zuwandernde Menschen sich bis zur Unkenntlichkeit anpassen, sondern dass sich gesellschaftliche Strukturen der veränderten Realität anpassen müssen. Zu diesem Veränderungsprozess gehört die aufnehmende Gesellschaft genauso wie die neuen Zuwanderer", erklärt van Keuk.
Mit Bedauern und Sorge sieht der Verband eine zunehmende Spaltung der Diskurse in den Medien in scheinbar eindeutige "Wir" und "die anderen". Bei genauerem Nachfragen sind dabei stets unterschiedliche Gruppen gemeint - mal "Einheimische", mal "türkische Migranten", mal "Muslime" und dann wiederum "Ausländer". Längst aber existieren diese Gruppen in ihrer scheinbaren Eindeutigkeit nur noch in den Köpfen - und nicht mehr in der Realität unserer vielschichtigen Bevölkerung. Deutsche haben einen deutschen Pass - und doch werden Deutsche mit schwarzen Haaren oder schwarzer Hautfarbe ständig gefragt, woher sie bitte "stammen". "Wie kann Integration gelingen, wenn Ausgrenzung eine Alltagserfahrung für einen großen Teil unserer Bevölkerung darstellt?", fragt van Keuk.
Der BDP tritt dafür ein, sich gemeinsam um Lösungen für die in der Tat existierenden Probleme zu bemühen. Alle in dieser Gesellschaft - ob zugewandert oder eingeboren, ob christlich, muslimisch, jüdisch oder anderweitig religiös bzw. atheistisch, ob rot-, schwarz- braunhaarig oder blond - tragen dafür Verantwortung, Sie sollten aber auch die Chance haben, diese wahrzunehmen, damit die längst fälligen Veränderungen im Interesse aller umgesetzt werden: Sprachförderung aller Kinder von Kindergartenalter an, Abbau von Diskriminierung und Ausgrenzung auf dem Arbeitsmarkt, Bekämpfung von Fundamentalismus, Rassismus und Rechtsradikalismus, Bekenntnis zur einer offensiven Zuwanderungspolitik, Einhalten von fundamentalen Rechten wie dem Flüchtlingsschutz - um nur die wichtigsten zu nennen. Abschließend heißt es in der Stellungsnahme: "Die gesellschaftliche Auseinandersetzung ist vergleichbar mit einem Streit in der Familie - er lohnt sich in der Regel, denn Auseinandersetzungen gehören dazu. Viel wichtiger ist aber zunächst die Feststellung, dass es sich um eine Familie handelt - und damit die Zugehörigkeit aller Familienmitglieder zur Mischpoke gewährleistet ist. Davon sind wir leider aktuell noch weit entfernt."

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
Pressesprecherin
Tel. 030 - 209 166 620
c.schaffmann@bdp-verband.de

Pressemitteilung
Nr. 12/10
28. Juli 2010
Trauer ist nicht gleich Trauma

Bei der Massenpanik auf der Love Parade am Samstag in Duisburg sind 21 Menschen zu Tode gekommen und mehr als 500 verletzt worden. Noch viel mehr Menschen haben diese Ereignisse direkt miterlebt oder später in den Medien von ihnen erfahren. Viele unmittelbar von dem Ereignis Betroffene erleiden derzeit psychische Beeinträchtigungen. Nicht alle benötigen eine Traumabehandlung oder Psychotherapie. Der BDP warnt davor, Trauernde und Traumatisierte in einen Topf zu werfen.
Wer nicht traumatisiert ist, sonder nur ergriffen von dem Gesehenen oder Gehörten, sollte Gelegenheiten suchen, um trauern zu können. Wer traumatisiert ist, benötigt in erster Linie keine Trauerarbeit, sondern professionelle Unterstützung in der Traumabewältigung. Wer mit Traumatisierten, wie dies derzeit zum Teil geschieht, lediglich Trauerarbeit macht, hält den Trauerzustand aufrecht und verhindert, dass die Erfahrungen in die eigene Biographie integriert werden können, das Trauma also bewältigt wird.
Deutliches Zeichen für ein mögliches Trauma ist, dass nicht nur bloße Erinnerungen immer wieder auftauchen, wie das bei Trauernden der Fall sein kann, sondern dass die schlimmen Bilder der Extremsituation sich immer wieder aufzwängen und das gewohnte Schlaf-, Sozial- oder Arbeitsverhalten deutlich einschränken.
Der BDP hat zum Thema Umgang mit Traumata häufig gestellte Fragen entwickelt, die auf seiner Website abrufbar sind.

http://www.bdp-verband.de/psychologie/glossar/trauma.shtml

http://www.bdp-verband.de/service/notfall-faq.shtml

Menschen, die darüber hinaus Hilfe benötigen, können sich an die vom BDP zertifizierten Notfallpsychologen wenden. Der BDP hat auf seiner Homepage eine Liste dieser Anbieter eingestellt.

http://www.dpa-bdp.de/notfallpsychologie

Telefonischen Rat gibt die Hotline des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe BBK.
Der BDP weist in diesem Zusammenhang kritisch darauf hin, dass es in Deutschland keine geklärte Kostenübernahme für notfallpsychologische Angebote gibt, an die sich Betroffene niedrigschwellig für kurzfristige Hilfe wenden können.
Armin Traute
Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
Tel. 030 - 209 166 620
c.schaffmann@bdp-verband.de


Muslime       seelische Not nach Katastrophe in Duisburg     
 
** Muslime nicht mal als Nachbarn toleriert **
* Bundesweite Studie zur Integration offenbart verdeckte Intoleranz *

Toleranzübungen, Kontaktpflege, gemeinsames Feiern und Arbeiten oder Informationsseminare kommen just bei jenen Zeitgenossen schlecht an, die etwas gegen Muslime haben. Gerade vorurteilsbelastete Personen lehnen integrationspädagogische Ansätze klar ab und fordern statt dessen "gesellschaftliche Maßnahmen". Das zeigt eine umfangreiche bundesweite Studie zur Integration muslimischer Menschen mit 6.500 Befragten in elf Berufsgruppen. Gerade Rechtsextreme finden den Spruch richtig, "Die Gesellschaft muss etwas tun", wenn es um die Verminderung von Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung der Muslime geht. Vorurteilsträger halten also nicht sich selbst, sondern die anderen für verantwortlich für Konflikte und deren Lösung.

Prof. Rainer Dollase von der Universität Bielefeld stellte diese Ergebnisse auf dem diesjährigen Workshop-Kongress der Sektion Politische Psychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) in Passau vor.

Das Bewusstsein, dass man durch eigenes Tun und persönlichen Einsatz die Integration von Minoritäten und Migranten verbessern kann, so Dollase, ist unterentwickelt. Das gelte unabhängig für Schüler wie für Vorschulerzieher, für Eltern und Polizisten, Arbeiter und Angestellte, Journalisten, Krankenpfleger und Sozialpädagogen gleichermaßen. Zwar könne die Mehrheit politisch korrekte Formeln über Toleranz erkennen und reproduzieren, doch nütze das wenig: Auch politisch Korrekte – das zeigt die Studie - meiden den direkten Kontakt mit Muslimen. Bis zu 40 % würden strenggläubige Muslime noch nicht einmal als Wohnungsnachbarn tolerieren.

 

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