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Landesvertreter
der
Sektionen im BDP:




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Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
Pressemitteilung Nr. 13/11 28. Juli 2011
Analyse statt Spekulation
Psychologenverband solidarisiert sich mit Betroffenen
von Oslo
Im Namen
seiner Mitglieder hat der Berufsverband Deutscher
Psychologinnen und Psychologen (BDP) den Angehörigen
der Opfer der Anschläge in Norwegen sein
Beileid und Mitgefühl ausgesprochen. Der
Verband erklärt sich zudem solidarisch mit
den Einsatzkräften vor Ort - mit Polizisten
und Feuerwehrleuten, Psychologen, Ärzten
und Seelsorgern. Insbesondere die Kolleginnen
und Kollegen der Sektion Klinische Psychologie/Fachgruppe
Notfallpsychologie und die Kriminalpsychologen
bieten sich auch zum kollegialen Austausch an.
Aus Sicht
des BDP bergen die tragischen Ereignisse in Oslo
und auf der Insel Utöya in ihrer Komplexität
eine Reihe psychologischer Aspekte, die einer
seriösen Untersuchung bedürfen. Für
bedenklich hält der Verband daher die Versuche
der Medien, mittels verschiedenster Experten in
diesen Tagen bereits erklärend und analysierend
auf die Vorgänge einzugehen. Wohin das führen
kann, hat ja bereits der am ersten Tag von mehreren
Terrorismus-Experten geäußerte falsche
Verdacht gezeigt, es handle sich um islamistische
Anschläge, so Elisabeth Nöske, Mitglied
des Vorstands der Sektion Klinische Psychologie
im BDP. "Zu diesem Zeitpunkt gab es überhaupt
noch nichts an Expertenwissen beizutragen, sondern
nur viel zu spekulieren. Experten haben in unklaren
Nachrichtenlagen nichts verloren, denn ihr Vorzug
ist das große Hintergrundwissen, nicht die
aktuelle Kenntnis." Sie könnten aktuelle
Erkenntnisse einordnen, verfügten aber über
keine hellseherischen Fähigkeiten. "Statt
sorgfältiger Recherche und Analyse findet
in den Medien ein Wettlauf um die ersten Nachrichten
zum Täter und seinem Hintergrund statt, der
auch medienpsycholgisch bedenklich ist, ebenso
wie der riesige Raum, der Bildern des Täters
und der Darstellung seiner im Internet veröffentlichten
Motive gegeben wird." Journalisten, so Nöske,
reichen in solchen Phasen der Erregung angesichts
eines dramatischen Ereignisses die eigene Unsicherheit
weiter und suchen hilflos Antworten bei Fachleuten,
die diese aber verantwortungsbewusst noch nicht
geben können.
Auch
beim BDP liefen die Telefone heiß, wurde
nach den Gründen für das Verhalten der
Opfer und des Täters gefragt. "Gerade
weil das Geschehen aus forensischer und notfallpsychologischer
Sicht so komplex ist, wird es für die Analyse
einer längeren Zeit bedürfen",
erklärt Dr. Ursula Gasch, Diplom-Psychologin
und Kriminologin. Fragen nach der besonderen Situation
auf einer Insel, dem Gefühl des Abgeriegelt-Seins,
Fragen nach historischen Parallelen wie sie sich
z.B. mit dem amerikanischen Mathematiker Theodore
Kaczynski, der von 1978 bis 1995 als Unabomber
bekannt wurde, anbieten ebenso wie nach den Unterschieden
zu anderen Fällen bedürften sorgfältiger
Betrachtung. "Möglich, dass die Ereignisse
dann längst wieder aus den Schlagzeilen verschwunden
sind, aber dennoch gebieten sowohl die Sachlage
als auch der Respekt vor den Betroffenen Zurückhaltung
statt aufgeregter Spekulation."
Vergleichbare
Gründlichkeit in der Analyse und Nachdenklichkeit
erwartet der BDP auch von der Politik statt übereilter
und völlig unpassender Forderungen z.B. nach
verschärfter Vorratsdatenspeicherung. Für
wichtig hält der Verband nach den Worten
von Elisabeth Nöske in dieser Situation im
Übrigen auch eine kritische Betrachtung nicht
nur der Rechtsextremen und der Islamisten in der
Bundesrepublik, sondern der scheinbar seriösen
Propaganda gegen eine multikulturelle Gesellschaft.
Berufsverband
Deutscher Psychologinnen und Psychologen
Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Am Köllnischen Park 2, 10179 Berlin
Tel. 030 - 209 166 620
c.schaffmann@bdp-verband.de
aktualisiert
am28.7..2011 (FBG)
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